Re: Kann das wahr sein?
Ewig starr an deinem Mund zu hangen,
Wer enthüllt mir dieses Glutverlangen?
Wer die Wollust, deinen Hauch zu trinken,
In dein Wesen, wenn sich Blicke winken,
Sterbend zu versinken?
Fliehen nicht, wie ohne Widerstreben
Sklaven an den Sieger sich ergeben,
Meine Geister hin im Augenblicke,
Stürmend über meines Lebens Brücke,
Wenn ich dich erblicke?
Sprich! Warum entlaufen sie dem Meister?
Suchen dort die Heimat meine Geister,
Oder finden sich getrennte Brüder
Losgerissen von dem Band der Glieder
Dort bei dir sich wieder?
Waren unsre Wesen schon verflochten?
War es darum, dass die Herzen pochten?
Waren wir im Strahl erloschner Sonnen,
In den Tagen lang verrauschter Wonnen
Schon in Eins zerronnen?
Ja wir warens! - Innig mir verbunden
Warst du in Äonen, die verschwunden,
Meine Muse sah es auf der trüben
Tafel der Vergangenheit geschrieben,
Eins mit deinem Lieben!
Und in innig festverbundnem Wesen,
Also hab' ichs staunen dort gelesen,
Waren wir ein Gott, ein schaffend Leben,
Und uns ward, wie herrschend zu durchweben,
Frei die Welt gegeben.
Uns entgegen gossen Nektarquellen
Ewig strömend ihre Wollustwellen,
Mächtig lösten wir der Dinge Siegel,
Zu der Wahrheit lichtem Sonnenhügel
Schwang sich unser Flügel.
Weine Susanne! Dieser Gott ist nimmer,
Du und ich des Gottes schöne Trümmer,
Und in uns ein unersättlich Dringen,
Das verlor'ne Wesen einzuschlingen,
Gottheit zu erschwingen.
Darum, Susanne, dieses Glutverlangen
Ewig starr an deinem Mund zu hängen,
Und die Wollust deines Hauch zu trinken,
In dein Wesen, wenn sich blicke winken,
Sterbend zu versinken.
Darum fliehn, wie ohne Widerstreben
Sklaven an den Sieger sich ergeben,
Meine Geister hin im Augenblicke,
Stürmend über meines Lebens Brücke,
Wenn ich dich erblicke.
Darum nur entlaufen sie dem Meister,
Ihre Heimat suchen meine Geister,
Losgerafft vom Kettenband der Glieder
Küssen sich die langgetrennten Brüder
Wiedererkennend wieder.
Und auch du - da mich dein Auge spähte,
Was verrriet der Wangen Purpurröte?
Floh'n wir nicht als wären wir Verwandter,
Freudig, wie zu Heimat ein Verbannter,
Glühend in einander?
-F. Schiller (1805)
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Die Zeit kann mich ändern - aber ich nicht die Zeit.
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